ego andaluz bei QUEER UNFRAMING in Berlin – Warum queere Kunst mehr Raum braucht
- 6. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Letzte Woche war ich in Berlin, um Teil der Ausstellung QUEER UNFRAMING – Art Beyond Straight Lines zu sein. Die Gruppenausstellung fand während des Gallery Weekend Berlin statt und wurde von Julian Daynov kuratiert. Schon vor der Reise hatte ich das Gefühl, dass diese Ausstellung etwas Besonderes werden könnte. Trotzdem war ich nicht darauf vorbereitet, wie intensiv, emotional und inspirierend diese Tage am Ende wirklich waren.
Was mir von Berlin am stärksten in Erinnerung bleibt, sind die Menschen, denen ich begegnet bin. In nur wenigen Tagen entstanden Gespräche mit Künstler*innen, Kurator*innen, Sammler*innen und Besucher*innen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Lebensrealitäten. Manche Begegnungen fühlten sich sofort vertraut an. Es waren diese seltenen Gespräche, bei denen man direkt merkt, dass daraus mehr entstehen kann als nur ein kurzer Austausch während einer Ausstellung. Ich bin mir sicher, dass einige dieser Begegnungen zu echten Freundschaften und zukünftigen Zusammenarbeiten führen werden.
Genau deshalb sind Ausstellungen wie QUEER UNFRAMING so wichtig.
Denn queere Künstler*innen werden noch immer viel zu oft nur temporär sichtbar gemacht. Häufig passiert das rund um den Pride Month oder im Rahmen von Projekten, bei denen Queerness eher als Zusatz verstanden wird als als selbstverständlicher Teil zeitgenössischer Kunst. In Berlin war das anders. Hier standen queere Perspektiven kompromisslos im Mittelpunkt. Nicht als Trend und nicht als Symbolpolitik, sondern als ernstzunehmende künstlerische Positionen mit Tiefe, Persönlichkeit und Relevanz.
Besonders beeindruckt hat mich die Reaktion der Besucher*innen. Die Menschen kamen nicht nur vorbei, um die Arbeiten kurz anzuschauen und weiterzugehen. Viele blieben lange im Raum, tauschten sich aus und suchten aktiv das Gespräch. Man konnte spüren, wie enorm das Bedürfnis nach solchen Ausstellungen ist. Gerade in einer Zeit, in der queere Sichtbarkeit zwar wächst, gleichzeitig aber vielerorts wieder stärker angegriffen und politisch diskutiert wird.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch ausdrücklich bei Julian Daynov bedanken, der mich eingeladen hat, Teil dieser Ausstellung zu sein. Als seine Nachricht kam, musste ich keine Sekunde überlegen. Und nachdem ich gesehen habe, was er dort geschaffen hat, bin ich noch dankbarer für diese Erfahrung. Während des Gallery Weekend eine Ausstellung mit so vielen unterschiedlichen Stimmen zu organisieren und dabei gleichzeitig eine Atmosphäre zu schaffen, die offen, herzlich und politisch relevant ist, verdient viel Respekt.
Was die Ausstellung zusätzlich besonders gemacht hat, war die Vielfalt der teilnehmenden Künstler*innen. Mit dabei waren unter anderem Milena Zara, Tim Sonntag, Viktor Petrov, Janina Roider, Moritz Kloppe, Armin Dietrich, Timmi Taubenschreck, Brett Seiler, Domingo el Chino, Alfonso del Moral, Ilya Fedotov-Fedorov, Chorus of Body und ego andaluz. Unterschiedliche Generationen, kulturelle Hintergründe und künstlerische Ansätze trafen hier aufeinander. Manche Arbeiten waren laut und politisch, andere intim, verletzlich oder emotional. Trotzdem wirkte die Ausstellung niemals beliebig. Im Gegenteil: Genau diese Mischung machte sie lebendig.
Auch für mich persönlich hatte diese Ausstellung eine besondere Bedeutung. Meine Arbeiten in einem Umfeld zu zeigen, in dem offen über queere Körper, Sichtbarkeit, Identität und Selbstinszenierung gesprochen wird, fühlte sich anders an als sonst. Die Gespräche gingen weit über Kunst hinaus und wurden plötzlich persönlich, ehrlich und kollektiv.
Berlin hat mich unglaublich herzlich empfangen. Die Stadt war laut, roh, inspirierend, chaotisch und gleichzeitig überraschend warm. Nach dieser Erfahrung hoffe ich sehr, dass das nicht mein letztes Mal dort gewesen ist.
Fotocredits: Tim Sonntag (Fotos 1, 4 & 5)















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