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Coming-out als Kunst: Der schwule Schweizer Künstler ego andaluz mit DRAW in den Medien

25. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Sept.


Die aktuelle Ausgabe des DISPLAY Magazins in den Händen zu halten, war ein etwas unwirklicher Moment. Sechs Seiten über meine Arbeit und die Geschichte dahinter. Ein Teil meines Lebens, über den ich früher kaum sprechen konnte, stand plötzlich gedruckt da. Für alle lesbar.


Das muss ich selbst noch ein wenig begreifen.



In den vergangenen Wochen hat DRAW, meine dreiteilige Linolschnitt-Serie über mein Coming-out mit 30, mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekommen, als ich erwartet hätte. Neben DISPLAY in der Schweiz haben DNA in Australien, dezanove in Portugal, männer* in Deutschland, xtra! in Österreich und akut in der Schweiz darüber berichtet. Weitere Beiträge in Grossbritannien folgen.


Als schwuler Schweizer Künstler, der unabhängig in seinem Zürcher Atelier arbeitet, empfinde ich es als grosse Ehre, dass meine Arbeit über Länder- und Sprachgrenzen hinweg Menschen erreicht. Den Menschen, die ihr diesen Raum geben, bin ich sehr dankbar.


Als noch offen war, wie alles ausgeht

Am Anfang von DRAW stand eine sehr persönliche Geschichte: Wie hatte sich mein Leben vor dem Coming-out angefühlt? Heute weiss ich, dass meine Familie zu mir hielt, dass ich geliebt wurde und dass mein Leben danach viel schöner wurde. Damals wusste ich das alles noch nicht. Ich hatte Angst, alles zu verlieren.


Mich dieser Ungewissheit noch einmal ehrlich zu stellen, war das Schwierigste an der Serie. Mit Break, Contested und Reach habe ich versucht, dem Druck, dem inneren Konflikt und der vorsichtigen Aussicht auf ein anderes Leben eine Form zu geben.


Der Linolschnitt fühlte sich dafür richtig an. Einmal ins Material geschnitten, lässt sich der Schnitt nicht zurücknehmen. Diese Unwiderruflichkeit erinnert mich daran, etwas auszusprechen, das man jahrelang für sich behalten hat.


Die eigene Geschichte in einer anderen wiederfinden


Vielleicht hat DRAW genau deshalb einen Nerv getroffen. Seit ich die Serie veröffentlicht habe, haben mir viele queere Menschen geschrieben, die in den Bildern etwas von sich selbst wiedererkannt haben. Manche haben mir erzählt, wie die Arbeiten auf sie wirken. Andere wollten über ihr eigenes Coming-out sprechen oder darüber, welche Gefühle die Bilder wieder wachgerufen haben.


Diese Gespräche beschäftigen mich noch immer. Wer an einer so persönlichen Arbeit sitzt, richtet den Blick lange nach innen. Durch die Rückmeldungen ist mir bewusst geworden, wie viel uns in dieser Erfahrung verbinden kann, selbst wenn unsere Lebensumstände ganz unterschiedlich sind.


Meine Coming-out-Geschichte steht nicht stellvertretend für alle. Aber die Angst, das Warten, das ständige Ringen mit sich selbst: Darin scheinen sich viele von uns wiederzufinden.


Queere Sichtbarkeit ohne Kompromisse

Die Aufmerksamkeit hat mich auch darüber nachdenken lassen, unter welchen Bedingungen queere Künstler:innen überhaupt sichtbar werden.

Manchmal scheint diese Sichtbarkeit an Erwartungen geknüpft: Sei queer, aber bitte so, dass sich niemand daran stört. Zeig die Körper weniger deutlich, das Begehren weniger direkt. Erzähl die Geschichte so, dass sie sich leichter konsumieren lässt. Ich frage mich, wie viel Freiraum uns dann tatsächlich bleibt.


Ich werde meine Arbeit nicht abschwächen, damit ihr queerer Ausdruck leichter akzeptiert wird. Begehren, Verletzlichkeit und Konflikte gehören dazu. Sie prägen, was ich mache und wie ich es mache. Auch andere queere Kunstschaffende sollen zu ihren eigenen Bedingungen arbeiten können, ohne für mehr Öffentlichkeit Abstriche an ihrer künstlerischen Haltung machen zu müssen.


Gerade deshalb bedeutet mir diese Berichterstattung so viel. Die Publikationen haben einer zutiefst persönlichen, queeren Geschichte Platz eingeräumt. Dass sie sowohl innerhalb queerer Medien als auch darüber hinaus, etwa durch das Magazin akut, ein Publikum findet, macht mir Hoffnung.


Danke an alle in den Redaktionen, die sich mit DRAW auseinandergesetzt haben. Und an alle, die mir geschrieben haben. Über diesen Teil meines Lebens zu sprechen, fiel mir einmal unglaublich schwer. Heute entstehen daraus Gespräche, die ich mir damals nie hätte vorstellen können.


DRAW in den Medien

  • Display, Schweiz: Sechsseitiger Beitrag in der Printausgabe, auch online zu lesen.

  • DNA, Australien: Bericht über DRAW und meine Coming-out-Geschichte.

  • männer* Deutschland: Beitrag über meine Arbeit und mein Coming-out.

  • dezanove, Portugal: Beitrag über meine Arbeit und mein Coming-out

  • xtra!, Österreich: Bericht über DRAW.

  • akut: Schweiz: Die Serie und ihre persönliche Geschichte im Kulturmagazin.


Weitere Beiträge in Grossbritannien folgen. Sobald sie erschienen sind, ergänze ich die Links hier. Mehr über DRAW.

 
 
 

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