DRAW: Eine dreiteilige Linolschnittserie über die innere Dynamik des Coming-outs
- 31. Juli
- 2 Min. Lesezeit
In DRAW verarbeite ich in drei Linolschnitten meine Erfahrungen rund um mein Coming-out mit 30. Im Mittelpunkt steht nicht, was danach geschah, und auch keine Erzählung von überwundener Angst. Stattdessen richtet die Serie den Blick auf die Zeit davor: auf jenen Schwebezustand, in dem das Verbergen unerträglich geworden war, Sichtbarkeit jedoch noch immer bedrohlich erschien.
Die drei Arbeiten Break, Contested und Reach zeichnen einen inneren Prozess nach: von wachsendem Druck über die Konfrontation bis hin zu einer ersten Annäherung. Dabei geht es nicht um die geradlinige Verwandlung eines falschen in ein wahres Selbst. Alle Figuren verkörpern dieselbe Person. Was sich verändert, ist die Beziehung zwischen ihnen.
BREAK

In Break stemmt sich ein männlicher Körper gegen zwei Wände, die im Bild selbst nicht zu sehen sind. Ihre Abwesenheit ist bewusst gewählt. Aus heutiger Sicht weiss ich, dass diese Grenzen nie physischer Natur waren. Sie bestanden aus Erwartungen, befürchteten Konsequenzen und der Angst, das vertraute Leben zu verlieren. Für die Figur im Bild jedoch sind sie vollkommen real.
Ihr Körper befindet sich zwischen Widerstand und Bewegung. Mit aller Kraft drängt er gegen den Raum, der ihn einengt, obwohl er noch nicht sehen kann, was sich jenseits davon befindet.
Break hält jenen Moment fest, in dem Stillstand nicht länger möglich ist. Der Bruch geschieht nicht, weil die Angst verschwunden wäre, sondern weil selbst sie nicht mehr ausreicht, um den Körper an seinem Platz zu halten.
CONTESTED

In Contested richtet sich dieser Druck nach innen.
Zwei männliche Figuren sind in einen Kampf verwickelt. Sie scheinen einander ebenbürtig. Im festgehaltenen Moment hat eine von ihnen die Oberhand, doch das Kräfteverhältnis könnte jederzeit kippen. Es gibt weder einen eindeutigen Sieger noch eine endgültige Auflösung.
Die geöffnete Hand der überlegenen Figur lässt einen Moment des Zögerns erkennen. Der Kampf dauert vielleicht noch an, doch sein Wesen beginnt sich zu verändern. Möglicherweise setzt sich auf einer Seite erstmals die Erkenntnis durch, dass sich dieser Konflikt nicht lösen lässt, indem der andere Teil zerstört wird.
Contested hält diese Spannung fest, ohne sie aufzulösen.
REACH

In Reach ist der Kampf zum Stillstand gekommen.
Zwei Figuren schweben in einem undefinierten Raum, nur einen Millimeter voneinander entfernt. Ihre Fingerspitzen berühren sich beinahe. Es ist keine Umarmung und noch keine Versöhnung, sondern ein vorsichtiger Versuch, miteinander in Kontakt zu treten.
Die eine Figur trägt das bisherige Leben in sich, mit all seinen Gewohnheiten, Schutzmechanismen und Ängsten. Die andere verweist auf eine Zukunft, die bereits Gestalt annimmt, aber noch keinen festen Halt gefunden hat.
Keine der beiden Figuren steht auf sicherem Boden. Nach einem Bruch entsteht eine neue Identität nicht von einem Moment auf den anderen. Die alten Strukturen mögen an Kraft verloren haben, doch das neue Leben ist noch fremd.
Die Figuren sind einander nahe genug, um sich zu erkennen und vielleicht damit zu beginnen, gemeinsam etwas Neues zu schaffen.
DETAILS
Zweifarbiger Linolschnitt auf Papier
Papierformat: 70 × 100 cm
Bildformat: 60 × 80 cm
Auflage: 10 Exemplare pro Arbeit
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